So entsteht Sortenhonig

Apfelblüten

Bienen lieben Apfelblüten. Reiner Obstbaumblütenhonig ist trotzdem eher selten. Fotos: Jana Tashina Wörrle

Honig kann sehr unterschiedlich schmecken, riechen und aussehen. Er kann fest und flüssig sein, hell oder dunkel, mild oder kräftig im Geschmack. Am markantesten zeigen das die Sortenhonige. Doch wie entstehen sie und wann im Jahr kann ein Imker welche Sorte ernten?

Ausschlaggebend für den Geschmack, die Konsistenz, Farbe und Geruch von Honig ist, von welchen Blüten die Bienen den Nektar gesammelt haben, den sie dann zu Honig weiterverarbeiten. Honig ist nie 100 Prozent sortenrein. Auch der sogenannte Sortenhonig stammt aus dem Nektar verschiedener Blüten.

Im Unterschied zu Honigen mit Bezeichnungen, in denen „Frühling-“ oder „Sommer-“ vorkommt und aus sehr vielen unterschiedlichen Nektarquellen in ähnlichen Anteilen bestehen, überwiegt bei einem Sortenhonig der Anteil einer ganz bestimmten Pflanze. Meist sind das mindestens 60 Prozent. Es gibt allerdings auch Honige, bei denen etwas anderes gilt: Bei Raps müssen es beispielsweise 80 Prozent sein und bei Robinie genügen 20 Prozent. Entscheidend ist, wann der Honig seine sortentypischen Eigenschaften aufweist.

Lohnenswerter Blütenbesuch

Dass es überhaupt dazu kommt, dass die Bienen derart viel Nektar von einer bestimmten Pflanze sammeln, liegt daran, dass Bienen „blütenstet“ und „ortsstet“ sind. Wenn eine Biene zu Sammelflug aufbricht, besucht sie nur Blüten der selben Pflanzenart. Wenn sie dabei spürt, dass die angesteuerten Pflanzen so viel Nektar bieten, dass sich ein zweiter, dritter oder viele weitere Besuche lohnen, dann bleibt sie dieser Pflanze treu. Sie fliegt immer wieder an den Ort, wo sie sie gefunden hat. Über den sogenannten Schwänzeltanz, gibt sie die Information, dass an einem bestimmten Ort besonders guter Nektar zu finden ist, an ihre Kolleginnen weiter.

So kann es vorkommen, dass sehr viele Bienen während der Blütezeit bestimmter Pflanzen vor allem dort Nektar sammeln. Wenn der Imker vor dieser Blütezeit neue Honigräume auf seine Bienenstöcke stellt und diese aberntet, wenn die Blüte vorbei ist, hat er Honig, der zu einem sehr großen Teil aus dem Nektar einer bestimmten Pflanze stammt: Sortenhonig.

Noch weiter steuern, kann man das durch das Anwandern von bestimmten Trachten. So stellen einige Imker ihre Bienenstöcke im Frühjahr ganz gezielt in die Nähe von Rapsfeldern oder im Spätsommer in Gebiete, in denen viele Sonnenblumen blühen. Bei attraktiven Nahrungsquellen klappt es, dass die Bienen die angewanderten Pflanzen besonders oft besuchen und dort Nektar sammeln. So geschieht es übrigens auch jedes Jahr, dass Imker vom Land mit ihren Bienen zur Lindenblüte nach Berlin hineinwandern.

Honig wie frisch aus der Blüte

Es gibt Honigliebhaber, die auf eine ganz bestimmte Honigsorte setzen und nur diese essen. Andere brauchen Abwechselung und essen am liebsten ganz frischen Honig, der kurz zuvor noch im Bienenstock bzw. in der Blüte war. Wer so verfährt, muss wissen, wann welche Pflanzen blühen und wann welcher Honig geerntet wird.

Kleine Anmerkung: Neben Nektar sammeln Bienen auch den sogenannten Honigtau in unterschiedlichem Maße und von unterschiedlichen Pflanzen. Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von an pflanzensaugenden Insekten wie zum Beispiel von Blattläusen. Die Bienen sammeln den Honigtau genauso wie den Nektar und verarbeiten ihn zu Honig. Auf unterschiedlichen Pflanzen finden sich unterschiedliche Arten dieser Insekten und so unterscheidet sich auch der Honigtau. Typischerweise bzw. in einem sehr großen Anteil ist Honigtau in Waldhonig, in Tannenhonig und im sogenannten Blatthonig zu finden. Blatthonig stammt von Laubbäumen, die mit pflanzensaugenden Insekten besetzt sind.

Nun zu den Sortenhonigen bzw. den Blühzeiten, der Pflanzen, die den Nektar oder Honigtau für die hierzulande typischen Sortenhonige liefern:

Ahorn: Sehr früh im Jahr, nämlich im April, beginnen die Ahornbäume zu blühen. Dabei handelt es sich meist um den Spitzahorn. Er ist in den Städten verbreiteter als die anderen Sorten wie etwa der Bergahorn, der im Mai blüht. Reiner Ahornhonig ist sehr selten, da Ahornbäume meist zur selben Zeit wie andere Frühblüher Blüten tragen. Andererseits kann es sein, dass die Bienen den Nektar selbst verbrauchen, wenn es noch sehr kühl ist. Dann spricht man davon, dass die Bienen, die nun anfangen zu brüten, den Nektar direkt in Brut umsetzen. Ahornhonig ist lieblich im Geschmack mit einer sehr fein-würzigen Note. Er ist hellbraun, ähnlich wie bernstein.

Raps: Auch Rapshonig ist einer der ersten im Jahr. Raps blüht meist ab April und ganz sicher im Mai – je nachdem, wann das Wetter warm genug ist und das Frühjahr startet. Rapshonig ist sehr hell, fast weiß und kristallisiert sehr schnell aus, so dass ihn die meisten Imker cremig rühren. Rapshonig hat einen hohen Anteil an Traubenzucker und schmeckt sehr mild.

Obstbäume: Honig von Obstbaumblüten stammt meist von Imkern, die mit ihren Bienen zu Obstbaumplantagen wandern oder deren Bienenstöcke auf großen Streuobstwiesen stehen. Denn Obstbäume blühen zu einer ähnlichen Zeit wie der Raps, der sehr attraktiv für die Bienen ist und sie stärker anlockt. Eine weitere Möglichkeit, Obstbaumblütenhonig zu ernten, bietet das Imkern in der Stadt, da es hier keine Rapsfelder gibt. Obstbaumblütenhonig ist mild, schmeckt jedoch ein wenig fruchtiger als Rapshonig. Er hat ebenfalls einen hohen Anteil an Traubenzucker und kristallisiert sehr zügig. Die Zeit der Obstbaumblüte ist verhältnismäßig lang, da zum Beispiel die Kirschbäume schon Mitte April blühen und dann von anderen Obstbäumen wie Birne und Apfel im Mai abgelöst werden.

Löwenzahn

Die Löwenzahnblüten locken Bienen an. Doch sie haben starke Konkurrenz.

Löwenzahn: Löwenzahnhonig schmeckt aromatisch und etwas nussig. Er ist hellgelb und kristallisiert relativ schnell bzw. wird cremig gerührt, wenn er beginnt Kristalle zu bilden. Der Löwenzahn hat eine lange Blühzeit von April bis in den Juli hinein. Meist wird der Honig in höher gelegenen Regionen geerntet wie etwa im Schwarzwald, da es hier große Flächen davon gibt und wenig Pflanzen, die den Blüten Konkurrenz bieten.

Rosskastanie: Die Rosskastanie blüht im Mai und Juni und gibt den Bienen viel Nektar. Da zur selben Zeit allerdings viele andere Pflanzen blühen und die Bienen anlocken, ist es eher selten, dass man Rosskastanienhonig als Sortenhonig findet. Meist ist er Bestandteil von Frühlingsblütenhonig. Nicht zu verwechseln ist er mit dem eigentlichen Kastanienhonig, der von Edelkastanien stammt und meist aus dem Ausland kommt. Die Unterschiede liegen ganz klar im Geschmack: Rosskastanienhonig ist würzig und lieblich süß zugleich. Der Honig von Edelkastanien ist dageben sehr herb. Er ist zudem dunkel und zähflüssig. Rosskastanienhonig ist dagegen hellbraun und bleibt lange flüssig.

Robinie: Auch die Robinie hat ihre Blütezeit im Mai und Juni – je nachdem, wie sich das Wetter im Jahresverlauf entwickelt. Sie ist allerdings sehr kurz, so dass die Imker es gut abpassen müssen, wenn sie relativ reinen Robinienhonig ernten wollen. Robinienhonig ist einer der mildesten Honige. Er ist sehr sehr hell, fast transparent und auf jeden Fall flüssig – und das bleibt er auch. Er schmeckt sehr klar und lieblich. Robinienhonig wird auch unter dem Namen Akazienhonig verkauft. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, da es sich bei der Robinie nur um eine „Scheinakazie“ handelt. Akazien wachsen in unseren Breitengraden nicht.

Kornblume: Die Kornblume blüht normalerweise an Feldrändern gemeinsam mit Mohnblumen und anderen Wildpflanzen. Leider gibt es an Feldrändern immer weniger Blühstreifen, so dass Kornblumen nicht mehr so oft zu sehen sind – meist nur an Bio-Äckern. Auch Honig von Kornblumen ist dementsprechend selten geworden. Blühende Kornblumen sind von Mai bis August zu finden. Kornblumenhonig hat eine ganz eigene Note. Manche beschreiben den Geschmack als aromatisch mit einem bittersüßen Hauch, andere als besonders herzhaft. Der Honig ist intensiv gelb und kristallisiert schnell aus.

Klee: Kleehonig stammt vom Nektar des Weißklee, der von Mai bis September eine sehr lange Blühzeit hat. Auch er gilt als eher seltene Honigsorte, da die Bienen zur selben Zeit eine Menge an anderen Nektarsorten finden und da es nur sehr wenige große Kleefelder gibt. Kleehonig hat einen sehr hohen Anteil an Traubenzucker und eine sehr sehr helle Farbe, ähnlich wie Rapshonig. Er schmeckt lieblich süß und mild und ist daher bei Kindern sehr beliebt.

Linde

Die Lindenblüte zieht jedes Jahr Imker nach Berlin.

Linde: Bei der Lindenblüte muss man zwischen den verschiedenen Lindenarten unterscheiden. Insgesamt gibt es vor allem in den Städten wie Berlin eine rund zwei monatige Blütezeit der Linde, da sich die einzelnen Arten quasi mit ihrer Blüte aneinanderreihen. Erst blüht die Sommerlinde, dann die Holländische Linde, es folgen die Winterlinde und die Silberlinde. So streckt sich die Lindenblüte von Anfang Juni bis Ende Juli. Lindenblütenhonig schmeckt sehr besonders, da er viele ätherische Öle enthält. Das macht ihn etwas minzig im Geschmack. Er ist sehr aromatisch. Lindenblütenhonig ist frisch geerntet flüssig, fängt aber mit der Zeit an zu kristallisieren. Neben dem Lindenblütenhonig gibt es auch Lindenblatthonig, denn Linden sind begehrte Bäume für Blattläuse. Meist mischen sich im Lindenhonig Nektar der Lindenblüten und Honigtau.

Sonnenblume: Die Sonnenblume blüht ab Juli und manchmal bis in den Oktober hinein – in den Gärten meist schon früher und auf Feldern erst im Spätsommer oder Herbst. Der Honig von Sonnenblumen ist kräftig gelb und zähflüssig. Sonnenblumenhonig hat eine herbe Süße, die auch als weihrauchartig oder leicht säuerlich beschrieben wird.

Phacelia: Phacelia ist ein Allroundtalent und wird immer häufiger angebaut, da die Pflanze auch als Energie- und Futterpflanze verwendet wird, also in Biogas-Anlagen vergärt oder verfüttert werden kann. Phacelia kann von Anfang Juni bis Ende September, blühen – je nach Aussaat. Oft wird sie als Zwischenfrucht angebaut. Das Gute an dieser Pflanze: Phacelia spendet – anders als viele andere Energiepflanzen – sowohl sehr viel Nektar als auch Pollen. Sie wird deshalb auch „Bienenfreund“ genannt. Der Honig von Phacelia-Nektar ist hellbeige, fast weiß und kristallisiert ebenfalls schnell und fein aus. Er hat einen etwas exotischen Geruch und auch der Geschmack lässt sich als „besonders“ beschreiben. Phacelia-Honig schmeckt blumig-aromatisch.

Buchweizen: Auch Buchweizen wird – wie Phacelia – als Zwischenfrucht angebaut. Er blüht ab der zweiten Hälfte des Juli bis Ende September. Buchweizenhonig gilt im Vergleich zu den anderen Honigen als nicht sehr süß; der Geschmack wird häufig als „rustikal“ beschrieben und sehr aromatisch, fast karamellig. Er ist sehr dunkel und soll gut gegen Erkältungen helfen.

Heide: Heidehonig gilt als Besonderheit bei Feinschmeckern. Heidehonig hat eine ganz eigene Konsistenz, die sich am besten als geleeartig beschreiben lässt. Der Honig schmeckt kräftig süß und aromatisch. Die Farbe des Heidehonigs kann von gelb-rötlich, hellbraun bis bernsteinfarben variieren. Heidekraut, die sogenannte Besenheide, blüht im August und September und ist für viele Bienen, die letzte Massentracht, die sie im Jahr anfliegen.

Waldhonig: Waldhonig (oder auch Blatthonig oder Tannenhonig) besteht wie oben genannt zum größten Teil aus Honigtau. Meist gibt es die meisten pflanzensaugenden Insekten wie die Blattläuse im Spätsommer, so dass Waldhonig am Ende der Honigsaison geerntet wird. Er ist besonders aromatisch und würzig. Er enthält besonders viele Mineralstoffe und bleibt sehr lange flüssig. Waldhonig ist braun, richtiger Tannenhonig manchmal sogar fast schwarz.

Zugegebenermaßen ist die geschmackliche Beschreibung der einzelnen Honigsorten etwas kompliziert und das Beste ist, wenn jeder sie selbst testet und die eigenen Favoriten findet. Das Honigjahr 2016 beginnt gerade – also der beste Zeitpunkt zum Einstieg. Eure Jana

Eine Antwort to “So entsteht Sortenhonig”

  1. Javier Says:

    ich habe ein Olnileshop wo ich Honige aus Spanien verkaufe, jezt suche Imker aus Europe um ihrn HOnig zu kaufen http://www.aceitecsb.es

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