Archive for Juli 2014

Bienen lieben Berlin – und Vergissmeinnicht

22. Juli 2014

 

Vergissmeinnicht1

Honig vom Dach, Honig aus dem Park, Honig aus dem Garten, Honig vom Friedhof oder Honig vom Balkon – die Vielfalt der Imkerplätze in Berlin ist beachtlich und damit auch die Vielfalt des Honigs. Eines haben aber alle gemeinsam: das Vergissmeinnicht.

Berlin blüht. Von Frühling bis zum Spätsommer können die Bienen hier meist immer etwas finden. Parks, Kleingärten, reichlich mit Blumenkästen bestückte Balkons, Friedhöfe, Brachflächen und die vielen Straßenbäume bieten ein abwechslungsreiches Angebot für die Stadtbienen.

Ganz besondere Blümchen

Das reiche Angebot findet sich dann auch im Honig wieder und so besteht der Berliner Honig meist aus einer bunten Nektar-Zusammensetzung. Im Sommer ist eigentlich immer Linde mit dabei, denn Lindenbäume gibt es reichlich. Und die Linde ist für viele Imker auch oft der einzige Sortenhonig, der sich in der Hauptstadt ernten lässt.

Aber dann wäre da noch ein ganz besonderes Blümchen, das zwar nicht so viel Nektar bietet, dass es für einen Sortenhonig ausreichen würde. Bei den meisten Sorten müssen dafür über 50 Prozent des Blütenpollens von einer ganz bestimmten Pflanze kommen – bei Rapshonig ist es noch mehr. Mit dem besonderen Blümchen meine ich das Vergissmeinnicht, das man in jedem Honig findet.

Das bestätigt auch eine Analyse des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Die Wissenschaftler haben den Berliner Honig auf seine typischen Merkmale hin untersucht und festgestellt, dass Vergissmeinnicht (Myosotis) immer vertreten ist. Zudem ist der Rapsanteil (ist sehr niedrig, die Pollenvielfalt groß und die Hauttrachtpflanzen sind Bäume.

Besonders für Berlin ist aber nicht nur das Trachtangebot und die Vielfalt, die damit im Honigglas landet, sondern auch, dass es mittlerweile so viele Stadtimker gibt. In allen Bezirken Berlins wird geimkert. Das zeigte sich vergangenes Wochenende auch beim Stadthonigfest im Kreuzberger Prinzessinnengarten, wo viele Imker ihren Stadthonig angeboten haben.

Wo kommt Dein Honig her?

Beim Durchprobieren zeigte sich schnell: die Frühlingsblüte aus Charlottenburg schmeckt anders als die aus Pankow, der Sommerhonig aus Zehlendorf hat eine andere Note als der aus Wedding und das, obwohl sie oft zur gleichen Zeit geerntet wurden. Sie unterscheiden sich dann auch in Farbe und Konsistenz.

Einfluss auf das, was im Glas landet, hat auch der Standort der Bienen. Da gibt es Imker, die nahe dem Zoologischen Garten stehen und deren Bienen deshalb auch ein paar exotische Blüten sammeln oder Imker mitten in Kreuzberg, deren Bienen am liebsten zu den vielen Robinien und Linden fliegen. Andere haben viele Nadelbäume in der Umgebung, von denen die Bienen Honigtau sammeln und wieder andere stehen mitten in der Kleingartenanlage mit vielen Obstbäumen und Sonnenblumen im Herbst.

Berliner Honig ist also nicht immer der gleiche Berliner Honig. Wichtig ist die genaue Herkunft und die kann man bei den Bärengold-Gläsern über den Imkerstempel erkennen. Er ist auf jedem Glas enthalten. Schau doch mal nach.

Eure Jana

Vergissmeinnicht2

 

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Warum Bienen im Sommer manchmal hungern

7. Juli 2014

Bienen auf Wabe

Die Linde ist der klassische deutsche Stadtbaum. Neben Himbeer- und Brombeersträuchern, Lilien, Malven und anderen schönen Blüten blüht sie im Juli und bietet unseren Honigbienen Futter. Doch obwohl der Sommer jetzt erst so richtig loszugehen scheint, wird das Nahrungsangebot für die Bienen immer knapper. Probleme gibt es besonders auf dem Land.

Am 21. Juni ist Sommersonnenwende und das Bienenjahr geht von da an auf den Herbst zu. So haben Imker haben eine etwas anderes Zeitrechnung als viele andere, für die Juli und August erst so richtig zum Sommer gehören. Doch wenn die Sommerhitze da ist, sind viele Blüten, die den Bienen Nahrung geben, schon abgeblüht.

Nur wenn es im Frühjahr und Sommer genügend regnet und sich die Blattläuse auf den Nadelbäumen stark vermehren können, können sich die Bienen auf Honigtau freuen. Diesen Drüsensaft der kleinen Baumsauger können sie dann im Spätsommer von Tannen, Fichten und Kiefern sammeln.

Zu viel Mais

Vor allem auf dem Land kommt es im Sommer immer mal wieder vor, dass die Bienen sehr wenig Nahrung finden und der Imker sie füttern muss. In Landstrichen, in denen sich Getreidefelder an Getreidefelder reihen, Maisfelder Maisfeldern folgen und kaum ein Bauer an den Seiten ein paar Blümchen stehen lässt, wird es für manch ein Bienenvolk knapp mit dem Nahrungsangebot.

Umso näher die Bienen aber an Gärten mit vielen Blumen, Parks und wenig von der herkömmlichen Landwirtschaft bepflanzten Gebieten leben, umso eher finden sie hier auch Nektar und Blütenpollen. Gut überbrücken können die Bienen den Nahrungsmangel überall dort, wo entweder gezielt für sie Bäume, Sträucher und andere Pflanzen angebaut wurden, die dann im Juli und August Nektar liefern (man nennt diese Pflanzen Bienenweide) oder dort, wo viele Lindenbäume stehen.

Die Linde bzw. die verschiedenen Lindensorten honigen meist dann noch, wenn andererorts Trachtpause ist und Linden stehen meist in den Städten – auch Berlin ist voll davon. Jedes Jahr wandern sogar Imker aus dem Umland in die Hauptstadt hinein, um die Lindenblüte zu nutzen.

Es blüht in der Stadt

Vergleicht man das Nektar- und Nahrungsangebot von Stadt und Land, dann bieten viele Städte den Bienen heutzutage ein durchgehendes und damit besseres Trachtband als manche Regionen auf dem Land. Monokulturen und stetig verschwindende Blühstreifen an den Feldrändern tragen dazu bei.

Und die Stadtlinden sind übrigens nicht nur gute Überbrücker zwischen dem Trachtangebot der Pflanzen aus dem Frühsommer und dem möglichen Waldhonig aus dem Spätsommer. Sie liefern sogar selbst den sogenannten Blatthonig aus Honigtau, denn Blattläuse mögen nicht nur Nadelbäume, sondern auch Linden.

In den Städten kommen jetzt aber noch weitere gute Nektarproduzenten hinzu – oft sind es Bäume wie der Trompetenbaum, der Götterbaum oder der Tausendblütenbaum Euodia hupehensis, auch Bienenbaum genannt.

Damit die Bienen im Sommer keinen Hunger leiden müssen – egal ob auf dem Land oder in der Stadt – kann jeder etwas tun und im Garten, auf dem Balkon oder einfach im dort, wo von selbst nicht viel wächst, ein paar Samen ausstreuen. Was sich dafür eignet, könnt ihr beim Bundeslandwirtschaftsministerium nachlesen.

Einen Blühkalender für Bienenweide gibt es auf der Seite der honigmacher.de.

Eure Jana