Liebeserklärung an die Hummel

Erdhummel mit dem typischen weißen Po

Erdhummel mit dem typischen weißen Po

Liebe Freunde,

Wusstet ihr, dass es über 28 verschiedenen Hummelarten in Deutschland gibt? Neben der dunklen Erdhummel (die hat einen weißen Po und ist gelb schwarz weiß gestreift) gibt es zum Beispiel auch keusche Kuckuckshummeln. Die Kuckuckshummel schummeln sich in ein fertiges Nest, stechen die Erdhummel ab, und ziehen dort ihren Nachwuchs heran. Kuckuckshummeln sind stärker als normale Erdhummeln Kuckuckshummeln sind Faulis, sie tragen keinen Pollen ein. Man erkennt Sie an den dunklen Flügeln. Wenn ihr das nächste Mal eine Hummel seht, einfach ein bisschen näher rangehen.

Die Hummel überwintert ähnlich wie die Wespen, das Volk stirbt, nur die Königin bleibt und buddelt sich eine Handbreit unter der Erde ein. Es folgt eine 7-monatige Fastenkur. Nur 1 aus 10 Königinnen schafft es und überlebt den Winter.

Hummeln sind Workaholics, sie besuchen etwa 5 Mal so viele  Blüten wie die Bienen. Die Erdhummel kann 12 Mal so viel Nektar sammeln. Wenn die Sammelblase der Hummel gefüllt ist, hat die Hummel das doppelte Gewicht. Dafür braucht sie 0,04 Milliliter Nektar und hunderte von Blüten der gleichen Art. Hummeln fliegen auch spät abends und tummeln sich schon bei sehr geringen Temperaturen ab 8 Grad (Bienen fliegen erst ab 12 Grad). Das liegt daran, dass die Hummeln eine eingebaute Heizung haben und sich von selbst aufheizen können. Um Pollen zu erhalten, erzeugen die Hummeln mit ihrem Flugmotor Vibrationen, dadurch wird der Pollen abgeschüttelt. Am liebsten mögen die Hummeln Wildkräuter und Blumen, die einen langen Kelch haben  – Eisenhut, Rittersporn, Lupine, aber auch Erbsen, Bohnen, Tomaten, Disteln, Salbei und Wolliger Zeist. Der Rüssel der Hummel kann bis zu 22 mm lang sein – das ist z.B. bei der Eisenhuthummel so, die fliegt nur auf Eisenhut und deren Rüssel ist genauso lang wie der ganze Körper.

Nach dem Winterschlaf stärkt sich die Königin durch Nektar (Kohlenhydrate) und Pollen (Eiweiße). Ganz am Anfang des Jahres blühen Winterheide, Weidenkätzchen und Taubnessel – sie dienen allesamt als Treibstoffquelle. Nachdem die Königin-Hummel gestärkt ist, geht es auf Nistplatzsuche. Besonders schön finden dicke Hummeln verlassene Mäusenester, Komposthaufen und Moospolster. Dazu schwirren die Hummeln im Zickzackflug nah an der Erde und achten auf Kontrastunterschiede. Von 100 überwinterten Königinnen-Hummeln, schaffen es nur 5 ein Nest zu gründen. Wenn die Königin-Hummel das perfekte Nest gefunden hat, zerbeißt sie altes Nistmaterial (z.B. Stroh, Heu, Laub und Moos) baut sich daraus ein 3 bis 4 cm große Nistkugeln. Die Königin schwitzt Wachs aus und  formt daraus Näpfchen in die Pollen und bis zu 15 Eier einlagert werden. Die Eier müssen gewärmt werden. Zusätzlich baut die Hummel Nektar ‚Tönnchen‘. Zum Füttern des Nachwuchses werden die Näpfchen jedes Mal aufs Neue geöffnet und verschlossen. Dafür sind die Stockhummeln zuständig, deren Job darin besteht, Türen zu öffnen und zu schließen. 7 Tage bleibt der Hummelnachwuchs im Gemeinschaftszimmer, dann werden die Larven umgebettet, bekommen Einzelzimmer und Einzelfütterung. Die Larven spinnen mit Seide ein Kokon und wandeln sich durch die Metamorphose in das fertige Hummelinsekt um. 15 Tage nach der Verpuppung schlüpfen die Arbeiterinnen-Hummeln. Das Schlüpfen dauert meist 30 Minuten und geht nur mit freundlicher Unterstützung einer Stockhummel, die dem Newbie hilft und auch mal mit einem kleinen Stoß raus schubst. Die frischen Hummeln sehen noch ganz zerzaust aus und haben erst 2 Tage später ihre typische Färbung. Es sieht ziemlich unordentlich aus in so einem Hummelnest.

Von Mitte Juli bis Ende August entstehen Drohnen (männliche Hummeln) und neue Königinnen, die ähnlich wie bei den Bienen durch spezielle Fütterung ein Vielfaches der Größe erreichen. Die Arbeiterinnen-Hummeln legen Drohneneier und fressen mit Vorliebe die Drohneneier der anderen Arbeiterinnen auf, damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Gene weitergegeben werden. Nachdem die 2. Generation Hummeln geschlüpft  ist, setzt sich die alte Königin zur Ruhe und stellt die Nachwuchsproduktion (also die Eiablage) ein, dies geschieht meist mehr oder weniger freiwillig. Die Hummel-Königin wird nämlich von ihren Hofdamen, die sich aufopferungsvoll den ersten Teil des Sommers um sie gekümmert haben, durch Beißen, Schubsen und Ärgern rausgeekelt.  In einem Hummelvolk können zu Spitzenzeiten bis zu 600 Hummelchen leben. Davon sind es dann ein paar Hundert Königinnen-Hummeln, die aber erst nach dem Hochzeitsflug, bei dem sie durch Drohen begattet werden, für die Nestgründung im nächsten Jahr vorbereitet sind.

Wenn Hummeln einen schönen Nistplatz gefunden haben, kommen sie gern im nächsten Jahr zurück. Man sollte ihre Wohnung deshalb nicht so schnell weitervermieten und lieber einen zweiten vielleicht selbstgebastelten Nistkasten aufstellen.  Aber wie schafft man es nun ein Hummelvolk im eigenen (Vor)Garten anzusiedeln?

Ganz liebe Grüße,

Annette von BerlinerHonig

PS: Letzte Woche hörte ich einen Hummel Vortrag im Imkerverein Zehlendorf von Wolfgang Pfister. Das hat mich so sehr inspiriert, dass ich mir die Dokumentationen ‚Königin für einen Sommer‘ und ‚der Hummeldoktor‘ Eberhard von Hagen anschauen musste. Das sind meine Notizen.  Und der zweite Teil folgt.

2 Antworten to “Liebeserklärung an die Hummel”

  1. Florian Komm Says:

    Toller Beitrag! Bis jetzt gabs bei mir nur eine Sorte Hummeln. Wieder mal viel gelernt.

    • berlinerhonig Says:

      Lieber Florian,

      ja es gibt wirklich viele verschiedene Hummelarten. Die Erdhummel ist sehr verbreitet. Steinhummeln gibt es auch, die nisten in Steinen. Leider sind aber schon einige Hummelarten ausgestorben, weil wir immer weniger Wildflächen haben, von denen sich die Hummeln ernähren. Ich bereite gerade einen Blog-Post vor, wie man seinen Garten Hummeln untervermietet.

      Liebe Grüße,

      Annette

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