Archive for Februar 2011

Liebeserklärung an die Hummel

14. Februar 2011
Erdhummel mit dem typischen weißen Po

Erdhummel mit dem typischen weißen Po

Liebe Freunde,

Wusstet ihr, dass es über 28 verschiedenen Hummelarten in Deutschland gibt? Neben der dunklen Erdhummel (die hat einen weißen Po und ist gelb schwarz weiß gestreift) gibt es zum Beispiel auch keusche Kuckuckshummeln. Die Kuckuckshummel schummeln sich in ein fertiges Nest, stechen die Erdhummel ab, und ziehen dort ihren Nachwuchs heran. Kuckuckshummeln sind stärker als normale Erdhummeln Kuckuckshummeln sind Faulis, sie tragen keinen Pollen ein. Man erkennt Sie an den dunklen Flügeln. Wenn ihr das nächste Mal eine Hummel seht, einfach ein bisschen näher rangehen.

Die Hummel überwintert ähnlich wie die Wespen, das Volk stirbt, nur die Königin bleibt und buddelt sich eine Handbreit unter der Erde ein. Es folgt eine 7-monatige Fastenkur. Nur 1 aus 10 Königinnen schafft es und überlebt den Winter.

Hummeln sind Workaholics, sie besuchen etwa 5 Mal so viele  Blüten wie die Bienen. Die Erdhummel kann 12 Mal so viel Nektar sammeln. Wenn die Sammelblase der Hummel gefüllt ist, hat die Hummel das doppelte Gewicht. Dafür braucht sie 0,04 Milliliter Nektar und hunderte von Blüten der gleichen Art. Hummeln fliegen auch spät abends und tummeln sich schon bei sehr geringen Temperaturen ab 8 Grad (Bienen fliegen erst ab 12 Grad). Das liegt daran, dass die Hummeln eine eingebaute Heizung haben und sich von selbst aufheizen können. Um Pollen zu erhalten, erzeugen die Hummeln mit ihrem Flugmotor Vibrationen, dadurch wird der Pollen abgeschüttelt. Am liebsten mögen die Hummeln Wildkräuter und Blumen, die einen langen Kelch haben  – Eisenhut, Rittersporn, Lupine, aber auch Erbsen, Bohnen, Tomaten, Disteln, Salbei und Wolliger Zeist. Der Rüssel der Hummel kann bis zu 22 mm lang sein – das ist z.B. bei der Eisenhuthummel so, die fliegt nur auf Eisenhut und deren Rüssel ist genauso lang wie der ganze Körper.

Nach dem Winterschlaf stärkt sich die Königin durch Nektar (Kohlenhydrate) und Pollen (Eiweiße). Ganz am Anfang des Jahres blühen Winterheide, Weidenkätzchen und Taubnessel – sie dienen allesamt als Treibstoffquelle. Nachdem die Königin-Hummel gestärkt ist, geht es auf Nistplatzsuche. Besonders schön finden dicke Hummeln verlassene Mäusenester, Komposthaufen und Moospolster. Dazu schwirren die Hummeln im Zickzackflug nah an der Erde und achten auf Kontrastunterschiede. Von 100 überwinterten Königinnen-Hummeln, schaffen es nur 5 ein Nest zu gründen. Wenn die Königin-Hummel das perfekte Nest gefunden hat, zerbeißt sie altes Nistmaterial (z.B. Stroh, Heu, Laub und Moos) baut sich daraus ein 3 bis 4 cm große Nistkugeln. Die Königin schwitzt Wachs aus und  formt daraus Näpfchen in die Pollen und bis zu 15 Eier einlagert werden. Die Eier müssen gewärmt werden. Zusätzlich baut die Hummel Nektar ‚Tönnchen‘. Zum Füttern des Nachwuchses werden die Näpfchen jedes Mal aufs Neue geöffnet und verschlossen. Dafür sind die Stockhummeln zuständig, deren Job darin besteht, Türen zu öffnen und zu schließen. 7 Tage bleibt der Hummelnachwuchs im Gemeinschaftszimmer, dann werden die Larven umgebettet, bekommen Einzelzimmer und Einzelfütterung. Die Larven spinnen mit Seide ein Kokon und wandeln sich durch die Metamorphose in das fertige Hummelinsekt um. 15 Tage nach der Verpuppung schlüpfen die Arbeiterinnen-Hummeln. Das Schlüpfen dauert meist 30 Minuten und geht nur mit freundlicher Unterstützung einer Stockhummel, die dem Newbie hilft und auch mal mit einem kleinen Stoß raus schubst. Die frischen Hummeln sehen noch ganz zerzaust aus und haben erst 2 Tage später ihre typische Färbung. Es sieht ziemlich unordentlich aus in so einem Hummelnest.

Von Mitte Juli bis Ende August entstehen Drohnen (männliche Hummeln) und neue Königinnen, die ähnlich wie bei den Bienen durch spezielle Fütterung ein Vielfaches der Größe erreichen. Die Arbeiterinnen-Hummeln legen Drohneneier und fressen mit Vorliebe die Drohneneier der anderen Arbeiterinnen auf, damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Gene weitergegeben werden. Nachdem die 2. Generation Hummeln geschlüpft  ist, setzt sich die alte Königin zur Ruhe und stellt die Nachwuchsproduktion (also die Eiablage) ein, dies geschieht meist mehr oder weniger freiwillig. Die Hummel-Königin wird nämlich von ihren Hofdamen, die sich aufopferungsvoll den ersten Teil des Sommers um sie gekümmert haben, durch Beißen, Schubsen und Ärgern rausgeekelt.  In einem Hummelvolk können zu Spitzenzeiten bis zu 600 Hummelchen leben. Davon sind es dann ein paar Hundert Königinnen-Hummeln, die aber erst nach dem Hochzeitsflug, bei dem sie durch Drohen begattet werden, für die Nestgründung im nächsten Jahr vorbereitet sind.

Wenn Hummeln einen schönen Nistplatz gefunden haben, kommen sie gern im nächsten Jahr zurück. Man sollte ihre Wohnung deshalb nicht so schnell weitervermieten und lieber einen zweiten vielleicht selbstgebastelten Nistkasten aufstellen.  Aber wie schafft man es nun ein Hummelvolk im eigenen (Vor)Garten anzusiedeln?

Ganz liebe Grüße,

Annette von BerlinerHonig

PS: Letzte Woche hörte ich einen Hummel Vortrag im Imkerverein Zehlendorf von Wolfgang Pfister. Das hat mich so sehr inspiriert, dass ich mir die Dokumentationen ‚Königin für einen Sommer‘ und ‚der Hummeldoktor‘ Eberhard von Hagen anschauen musste. Das sind meine Notizen.  Und der zweite Teil folgt.

Was heute passiert ist ….

9. Februar 2011
ein Block aus eingeschmolzenem Bienenwachs

Liebe Freunde,

Bei uns sieht jeder Tag anders aus.  Manchmal rufen uns Imker an oder wir bekommen eine Empfehlung. So erzählte mir ein befreundeter Imkr letzte Woche von Sven, einem Imker aus Treptow, der Honig übrig hat. Meist hören die Imker dann mit der Bienenhaltung auf oder schrauben die Völkeranzahl zurück. d.h. übersetzt ‚weniger Bienen‘ und das gefällt mir ja gar nicht. (Dazu eine kleine Erläuterung: Die Bienenvölker in Berlin tragen sehr viel Honig ein. Das können bis zu 50kg pro Bienenvolk sein. Auf dem Land hingegen freuen sich die Imker über 20kg Honigertrag. Woran das liegt? Ganz einfach, in Berlin gibt’s so viel zu Futtern für die Bienen. Wir Menschen sind ja auch umzingelt von Restaurants und Imbissbuden. Nur, dass das reichhaltige Angebot bei einer Biene nicht ansetzt, ganz im Gegensatz zu uns. Die reiche Ernte führt dazu, dass der Imker quasi in Honig badet und den Honig bewegen muss, was nicht immer ganz so einfach ist, wie folgende Geschichte belegt.) Heute habe ich mich mit Sven zum Honigkosten und Bienenquatschen getroffen. Der Honig war ganz vorzüglich. Sven erzählte mir auch, dass er versucht habe, auf einem Markt in Berlin seinen Honig anzubieten, er wurde dankend abgewiesen, weil er kein Biozertifikat hatte. Soweit ist es schon, Honig der eingeflogen wurde und einen Stempel hat, wird bevorzugt behandelt, weil er beweisen kann, dass er Bio ist – was ‚Bio‘ wirklich bedeutet, wissen die wenigsten, auch, dass es sich bei dem ‚Bio-Label‘ für Honig eigentlich um die Bienenhaltung handelt und nicht um den Honig. Honig, der von nebenan nur über die Straße getragen werden muss, wird abgelehnt. Sowas ist nicht gerade ermutigend, das versteht jeder. Ich kenne das zu gut. Wir durften auf dem Heldenmarkt in Berlin auch nur einen Vortrag halten und nicht den Honig anbieten. Vielleicht machen wir das nächste Mal einen Proteststand vor dem Eingang.  Da frage ich mich wirklich, wie eine Welt tickt, die einheimische Produkte nur mit Zertifikat  akzeptiert und wie der Handel den Markt verzerrt.  Neben Highlights, wie es Honigverkostungen nun einmal sind, steht natürlich auch Routine an. Wir machen alles selbst, Honig abfüllen und etikettieren, Kunden per Telefon oder Email beraten, Rechnungen schreiben, Päckchen packen und mit der Bank telefonieren, weil es eben auch Menschen gibt, die nicht nur Gutes wollen – ein bisschen Schuld haben wir selbst, weil wir unsere Kontodaten veröffentlich hatten – naja, manche Fehler macht man nur einmal. Letzte Woche war ich auf einem Stand auf der Grünen Woche und habe einen ganzen Tag lang von den Bienen erzählt und die Besucher Bienen streicheln lassen. Das war wunderbar und natürlich anstrengend und manchmal nicht so toll – bei schönstem Sonnenschein in dieser stickigen Halle zu stehen. Dafür durfte ich auch kleine Schweinchen anschauen. Das war super und hat vieles wieder gut gemacht. Ich freue mich schon auf den Frühling, wenn wir wieder raus könnecn, die Bienis rumschnuffeln und man sie richtig gut beobachten kann. Am Montag haben wir kurz in jedes Bienenvolk am Wannensee reingeschaut. Es ist wunderbar wie unterschiedlich sich die Völker entwickeln. Ich konnte keine Fotos machen, weil es so kalt war, aber der Frühling kommt und dann gibts wieder Fotos von den Bienen.

Dafür gibt es heute ein Foto von einem eingeschmolzenen Wachsblock. Die Imker nutzen den Winter, um sich auf die neue Saisaon vorzubereiten. Dazu gehört auch, dass Wachs eingeschmolzen wird, der dann den Bienen als Starthilfe dient.  Detlef hält hier bestimmt das gesammelte Wachs einer ganzen Saison von mehreren Völkern in den Händen. Da hab ich auch nicht schlecht gestaunt.

Eure Annette von BerlinerHonig

Wie lange ist denn nun Honig haltbar?

8. Februar 2011
Frischer Honig

Frischer Honig

 

Lieber Sebastian, Liebe Freunde,

Hier ist wieder eine sehr gute Frage. Wie lange ist denn nun ein Honig haltbar. Und Nein. Du willst Honig nicht in eine Mikrowelle packen.

Honig schmeckt am allerbesten kurz nach der Ernte, das ist so wie bei Saft, oder wenn Du etwas frisch gekocht hast. Lass es eine Weile stehen und naja, besser wird es selten. Ja ja ich weiß, es gibt Sachen, die durchziehen müssen, Honig gehört nicht dazu. Honig besteht zum großen Teil aus natürlichen Traubenzuckern und Fruchtzuckern – das sind ca. 80%. Deswegen konserviert sich Honig quasi von allein und wird in komplett ausgereiftem Zustand mit einem natürlichen Zuckeranteil von über 80%  auch nicht schlecht. Dafür solltest Du den Honig kühl und trocken lagern (Optimal sind 15 Grad) und möglichst wenig Luft ran lassen. Aber das ist schwierig. Ich will meinen Honig auch immer sehen und nicht wegschließen. Du merkst ziemlich genau wie ein Honig aus einem vollen Glas duftet  und wie es duftet, wenn kaum noch Honig im Glas ist. Honig aus halbleeren Gläsern nehme ich zum Kochen, zum Tee oder als Peeling. Das Aroma eines Honigs wird einfach mit der Zeit schwächer, einige Honige kristallisieren aus (was ganz normal ist und am natürlichen Traubenzucker vs. Fruchtzuckerverhältnis liegt). Deswegen empfehlen wir immer Honig aus der aktuellen bzw. letzten Saison zu essen. Wenn Du ein industriell abgefülltes Glas Honig nimmst, kann es passieren, dass der Honig nie auskristallisiert und auch gar nicht mehr duftet, was ich als besorgniserregend empfinde.

Ein Honig der kristallisiert ist, kann man leicht wieder verflüssigen. Am besten ein Topf mit warmem Wasser, manchmal reicht es auch schon, wenn Du das Glas unter einen warmen Wasserstrahl hältst. Ich habe Honig auch schon auf eine Heizung gestellt. Das funktioniert, kann aber ganz schnell sehr heiß werden und dann werden die hitzeempfindlichen Bestandteile des Honigs (z.B. Eiweiße, Vitamine, Enzyme) zerstört. Es gibt einen Richtwert. Im Zentrum des Bienenhauses herrschen  so 35 Grad – und solange ein Honig nicht über 40 Grad erhitzt wird, ist alles super.

Nun stelle ich Dir aber die Frage aller Fragen, warum wird Dein Honig fest und warum machst Du Dir um die Haltbarkeit Gedanken. Honig ist ein natürliches Produkt, was frisch gegessen werden muss. Er wird nicht wie ein guter Wein mit der Zeit besser. Wer seinen Lieblingshonig gefunden hat, sollte ihn schlemmen und genießen und nicht irgendwelche mickrigen Reste für später aufheben. Glaub mir, bei mir zu Hause steht auch noch ein Körbchen mit 50 halbleeren Gläsern, wir nehmen die manchmal zur Geruchsprobe, aber besonders ansehnlich sind die nicht. Zugegeben, ich habe es aber auch noch nicht übers Herz gebracht, sie weg zu tun.

Was die Haltbarkeit angeht, gibt es eine Ausnahme: nicht komplett ausgereifter Honig also quasi Nektar- dieser hat einen niedrigeren Zuckergehalt, dafür aber mehr Wasser, z.T. mehr als 20%. Diese Honige sind sehr lecker aber nur wenige Wochen gut haltbar, bei guter Lagerung kühl und dunkel vielleicht bis zu einem Jahr. Wir haben zum Beispiel einen sehr karamelligen Waldhonig vom August (einer Zeit, in der man in Berlin eigentlich nicht mehr erntet – dafür haben die Bienen Micha nicht nur diesen tollen Honig geschenkt sonder es gab noch 20 Bienenstiche mit dazu) und einen sehr würzigen Frühlingshonig mit Ahorn. Solche Honige bekommt man ganz selten. Das sind dann kulinarische Leckerbissen, die einer gewissen Erklärung bedürfen und auch speziell gelagert werden müssen. Also nur für Schnellessende Kenner.