Wie man Honig erntet

Vor ein paar Tagen habe ich meine Freundin Melanie von Orlow in Alt-Tegel besucht. Melanie steht hinter http://www.hymenopetera.de und beherbergt in ihrem Garten nicht nur 16 Bienenvölker, sondern auch Hornissen und Wespen. Wenn Sie nicht bei den Bienen ist, schreibt Sie an ihrem Buch über Solitärbienen.

So sieht es in Melanies Garten aus - Bienenwohnung über Bienenwohnung

So sieht es in Melanies Garten aus - Bienenwohnung über Bienenwohnung

Guter Dinge mache ich mich gegen 8 Uhr nach Alt-Tegel auf den Weg, es ist bewölkt bei 20 Grad und nieselt leicht, an den Borsigwerken angelangt, will der Regen gar nicht aufhören. Bei Melanie schlüpfe ich in meinen weißen Kosmonautenanzug – so nenne ich meinen Behelfsimkeranzug für 3 EUR, der ursprünglich zur Unterstützung von Malarbeiten gedacht war. Die Bienchen fliegen ordentlich, in Melanies Garten sehe ich die Völker aufgetürmt. Wir bereiten alles vor. Mit einem Stockmeisel zum Öffnen der Bienenwohnung (Bienenbeute), einem Eimer für Wachsrestw und einem Meßgerät für die Luftfeuchtigkeit schreiten wir voran. Es gibt einen Raum, wo der Honig geerntet (Imker sagen: geschleudert)  wird – der Schleuderraum, der wie eine finnische Sauna wirkt, aber statt Ofen eine Honigschleuder für 6 Honigwaben  beherbergt und locker Platz für 3 Menschen und viele Honigkisten hat, sind 23 Grad und 67% Luftfeuchtigkeit, optimal sind 20 Grad und 60 % Luftfeuchte, damit der Honig kein Wasser anzieht. Es ist wie es ist, da müssen wir halt zügig ran.  Jetzt geht es los.

Imkerfrauen bei der Arbeit

Imkerfrauen bei der Arbeit

Waben Reinigen

1. Honig Sichern – d.h. ran an die Bienen-Völker. Melanie hat vorträglich Bienenfluchten in die Bienenkisten mit dem Honig (=Honigräume) eingebaut. Bienenfluchten sind wie große Ein-Weg Straßen, die Bienen finden raus, können aber nicht mehr rein. Bienen krabbeln aber immer noch rum. Die Honigräume lassen sich leicht abnehmen von den Brut-Räumen abtrennen (In den Bienenhäuser gibt es einzelne Etagen –  eine Etage ist für den Nachwuchs, hier entstehen die neuen Bienen. Auf anderen Etagen gibt es das Futter, also der Honig, an den wir wollen.) Jede Etage besteht aus 11 Holzrahmen, auf denen der Honig ist. Eine Etage wiegt zwischen 13 und 15 Kilo. Wir schleppen die Kisten also die kleine Treppe zum Schleuderraum hoch. Im Schleuderraum angelangt wird jede Kiste/Etage gewogen und dann in Reichweite geparkt. Das hilft uns, später den Honigertrag zu bestimmen. Die meisten Honigwaben sind mit einer dünnen Frisch-Wachsschicht überzogen (=verdeckelt). Diese dünne Schicht zeigt dem Imker an, dass der Honig reif ist. Zusätzlich kann er ein Refraktometer nutzen, mit dem der Wassergehalt des Honigs bestimmt werden soll, der idealerweise zwischen 17 und 20% liegen sollte.

Bienenflucht von Oben

Bienenflucht von unten

2. Honig Entdeckeln – d.h. ran an die Waben. Damit der Honig mit der Schleuder  ausgeschleudert werden kann, müssen die verdeckelten Honigwaben auf beiden Seiten von ihrer dünnen Wachsschicht befreit werden (=entdeckelt werden). Das geht auf zweierlei Weg a) man schneidet mit einem Messer oder einer Entdeckelungsgabel die hauchdünne Wachsschicht vor dem Honig ab oder b) man nimmt einen Heissluftföhn und lässt die Wachschicht schmelzen.  Der Heissluftföhn geht schneller, ist weniger matschig und klebt nicht viel. Die Entdecklungsgabel gibt dir viel Frischwachs mit viel Frischhonig, der schon mal im Mündchen kleben bleiben kann. Lecker.

Entdeckeln mit dem Heisluftföhn - die Papp-Kiste fängt das heisse spritzende Wachs ab

Entdeckeln vorher (links die 2 Honig-Rahmen auch Honig-Waben genannt) und nachher (rechts

3. Honig Schleudern – d.h. raus der Honig. Melanie hat eine große automatische selbstwendende Schleuder, die Platz für 6 Honig-Rähmchen hat (oder für 18 halbe Rähmchen, d.h. fast 2 komplette Etagen bzw. Kisten mit Honig). Es gibt auch einfache Varianten, so wie ich z.B. eine gut transportierbare  2-Waben Handschleuder habe, die bei geringer Anzahl der Bienenvölker vollkommen ok ist.  Die Honig-Rähmchen werden vorsichtig in die Honigschleuder einsortiert und werden dann 2 x 5 Minuten bei niedriger Umdrehungsgeschwindigkeit nach links und nach rechts geschleudert. Der Honig spritzt dabei an den Rand und läuft ab.  Es folgen noch einmal 2×5 Minuten bei höherer Geschwindigkeit. Nach gut 30 Minuten ist ein Schleudergang beendet. Nach der Schleuderung ist vor der Schleuderung. Melanie kontrolliert jetzt alle Honig-Rähmchen  auf ‚unausgeschleuderte‘ Honigwaben. Sie nimmt die Entdeckelungsgabel und stipst die verbleibenden Honigreste aus. Die dann noch einmal augeschleudert werden. Nach der Schleuderung werden alle Honigräume  mit den Waben gewogen und vom Startgewicht subtrahiert. Wir ernten 9 bis 12 Kilo je Honigraum sein. Das macht dann 1kg Honig je Wabe.

Schleuder mit 18 Honig-Rahmen / Honig-Waben (je Korb 3 Rahmen)

5. Honig Sieben – d.h. raus der Wachs, das Propolis, der Pollen. Der Honigeimer, bekommt von Melanie ein grobkörniges Spitzsieb, der die Wabenreste auffangen soll. Das Spitzsieb besteht aus aus dem gleichen Material wie die neuen super fancy Nylon-Teebeutel und fängt alle kleinen Unreinheiten auf. Für den privaten Honigkonsum  kann man auf die Siebe verzichten, den Propolis, Pollen und ein paar kleine Wachsstückchen machen naturbelassenen Honig besonders authenitsch.

Spitzsieb vorbereiten

Honig mit 2 Sieben frisch aus dem Hahn (oben: grobes Sieb, darunter: feine Nylon-Sieb)

6. Honig messen – d.h. ran an das Gerät. Jetzt kommt das Refraktometer zum Einsatz.  Mit einem Refraktometer misst Du den Wassergehalt, der bei unserem Honig super war.

Refraktometer Test

Die leere Honig-Etage kommt nochmal auf die Waage - Reingewinn: 9 Kilo Honig

7. Honig essen – d.h. rein in den Bauch. Ich habe natürlich während der ganzen Aktion nicht nur geholfen und getwittert (Mein Blackberry war danach ein bissl verklebt) sondern vor allem genascht. Es gibt nichts Besseres als Honig zu naschen, der gerade noch in der Wabe war.

Honig Essen wollte nicht nur ich. Selbstverständlich haben wir die Biene gerettet

Honig Ernten ist und bleibt ein Handwerk. Zur Honigernte muss der Imker jede Etage einzeln öffnen, den Honig-Rahmen einzeln entnehmen, vorbereiten und extrahieren. Also quite some work. Dementsprechend erschöpft war ich dann auch, als ich mit der S-Bahn zurückgefahren bin.

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